E-Books spielen in Deutschland bislang keine Rolle. Das zu erkennen bedarf es keiner großen Untersuchungen, dazu reicht ein Blick in die heutigen hauptstädtischen Zeitungen. Obwohl E-Readern und E-Books auf der heute eröffnenden Internationalen Funkausstellung (IFA) eine ganze Halle zugestanden wurden, findet sich in den meisten Medien nicht einmal ein Hinweis. Die Masse der Leser interessieren nicht digitale Bücher, sondern die 3D-Technik, HDTV-Geräte sowie iPad und Co.
E-Reader auf der Internationalen Funkausstellung sind kein Medienthema
September 3rd, 2010 by Heinz W. PahlkeEin halbes Jahrhundert vor seiner Geburt soll Goethe schon gedichtet haben
August 25th, 2010 by Heinz W. PahlkeGoethe? Goethe? Da war doch mal was? Muss aber lange her sein. Länger jedenfalls als die eigene Schulzeit. So muss der Autor gedacht haben, der in der Schwäbischen Zeitung über eine Ferienveranstaltung in der Stadtbücherei Trossingen berichtete: »Antje […] und Ann-Sophie […] überlegten gerade, welches der beiden Gedicht von Johann-Wolfgang von Goethe, die schon mehr als 300 Jahre alt sind, sie abschreiben sollen.«
Vielleicht hätte er einfach Antje und Ann-Sophie fragen – oder in der Wikipedia nachschlagen – sollen: Dann hätte er erfahren, dass Johann Wolfgang von Goethe erst vor 261 Jahren geboren wurde.
Aber vielleicht hatte der Autor das auch richtig geschrieben und der Beitrag wurde lediglich schlampig gesetzt. Die zusätzliche Verunstaltung des Vornamens und das fehlende Plural-E lassen diese Annahme jedenfalls nicht ausschließen.
»Eine Anzeige in der Zeitung« bescherte Günter Görlich ein Millionenpublikum
August 13th, 2010 by Heinz W. PahlkeEs muss 1978 oder 1979 gewesen sein, als mir »Eine Anzeige in der Zeitung« von Günter Görlich in die Hände fiel. Die genaueren Umstände sind mir entfallen; in meinem Bücherschrank steht der Roman jedenfalls nicht.
Trotzdem erinnere ich mich noch an das Buch, als seien seitdem nicht mehr als 30 Jahre vergangen, sondern hätte ich es erst vor wenigen Monaten gelesen. Gleich im ersten Satz teilt Görlich uns mit, dass sich der Lehrer Manfred Just das Leben genommen hat. Über Selbstmorde wurde in der DDR nur ungern gesprochen. Dass Görlich zudem noch den Selbstmord eines junge, engagierten Lehrers schilderte, passte nur schwer in das Erziehungsbild der DDR. Unangepasst und aufmüpfig will er sich nicht mit Heuchelei und Unaufrichtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen abfinden. So weigert er sich, als Lehrer Lippenbekenntnisse zu zensieren. So klar Manfred Just sieht, wenn es um die ihn umgebenden Menschen geht, so schwer fällt ihm diese Klarheit gegenüber sich selbst.
In der SED, der Günter Görlich seit 1955 angehörte, stieß das Buch auf heftige Kritik, aber auch auf lebhafte Zustimmung. Mit einer Gesamtauflage von knapp einer Million avancierte »Eine Anzeige in der Zeitung« zum erfolgreichsten Buch von Günter Görlich.
Am 14. Juli ist der Schriftsteller im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben.
Warum bezahlen, wenn »zitieren« nichts kostet?
August 10th, 2010 by Heinz W. PahlkeIch habe eine geniale Idee: Wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, werde ich nicht mehr bezahlen, sondern »zitieren«. So spare ich viel Geld und werde doch nicht zum Ladendieb.
Okay, eigentlich ist es nicht meine Idee, ich habe nur die Ideen anderer aufgegriffen und kreativ weiterentwickelt. Die wirklichen Ideengeber sind einige Zeitgenossen, die Texte bekannter und weniger bekannter Autoren aus deren Büchern abschreiben oder von ihren Webseiten kopieren, um sie auf die eigene Homepage zu setzen – und ganz empört »Abmahnwahn«, »Geldschneiderei«, »Dreistigkeit« und »Frechheit« zu schreien, wenn sie erwischt und abgemahnt werden. Sie hätten doch schließlich nur »zitiert«.
Nun ist zwar im Urheberrechtsgesetz festgelegt, wie zitiert werden darf, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, aber muss man das so genau nehmen? Warum soll man eigene Gedanken um ein Zitat basteln, wenn man doch lange nicht so gut formulieren kann wie der ausgewählte Autor?
Warum sollte dieses Modell nicht auch im Supermarkt und Kaufhaus funktionieren? Werde ich erwischt, schreie ich »Geldschneiderei«, »Dreistigkeit« und »Frechheit« und gründe eine Initiative »Strafwahn«.
Zensur ist verboten – aber nur dem Staat und nicht den Medien
August 9th, 2010 by Heinz W. Pahlke»Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt«, heißt es in Artikel 5 des Grundgesetzes. Trotzdem kann der Spiegel melden: »WDR hebt Sperre für Wallraff-Film auf«.
Nach mehr als 30 Jahren habe der WDR das Sendeverbot für den Film »Informationen aus dem Hinterland« aufgehoben, nachdem der Springer-Verlag dem Sender versichert habe, keine juristischen Schritte gegen den Film zu unternehmen. Günter Wallraff hatte sich 1977 als Hans Esser bei der Bild einstellen lassen. Noch im gleichen Jahr erschien bei Kiepenheuer und Witsch seine Reportage »Der Aufmacher«. Der WDR dagegen verzichtete im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der Springerpresse auf die Ausstrahlung.
Uum eine Zensur im verfassungsrechtlichen Sinne hat es sich trotzdem nicht gehandelt. Kein Gesetz, kein Politiker, kein Parlament, keine Verwaltung haben die Ausstrahlung verboten. Die Verantwortlichen des WDR haben vielmehr selbst gewusst, was der Springer-Verlag von ihnen erwartete. Dass es für Günter Wallraff und die Zuschauer des WDR auf das Gleiche hinauslief, spielt keine Rolle.
Inhaltlich ist es »natürlich falsch«, aber die Konsumenten sind dumm
August 6th, 2010 by Heinz W. Pahlke»Letzten Endes ist es doch der alleinige Zweck unserer Sprache, dass Mensch A den Menschen B versteht«, schrieb dieser Tage eine Buchautorin in einem Forum. Auf einen groben Fehler angesprochen, konterte sie, man könne den Text deshalb »so schreiben, auch wenn es inhaltlich natürlich falsch ist«. Eine andere Autorin sprang ihr bei, man dürfe »da nicht so feinfühlig sein«, 98 Prozent der Leser hätten ohnehin keine Ahnung.
Im ersten Moment klingen solche Äußerungen erschreckend. Ganz abgesehen davon, dass Autoren ihr Werkzeug beherrschen sollten: Weil nur die wenigsten Leser selbst »perfekt in Wort und Schrift« seien, dürfen ihnen also ganz bewusst fehlerhafte Bücher hingeworfen werden.
Nach der ersten Empörung erinnert man sich allerdings. Erst kürzlich blätterte ich in einem Magazin, das mir das Urlaubsland Österreich näherzubringen versuchte. Auf einer Seite ein halbseitiges Farbbild: Ein junges Paar vor einer Berghütte sitzend, rechts und links Wanderstöcke angelehnt, dazu ein Rucksack. Hemd und Bluse der beiden Wanderer sehen aus, als seien sie frisch gebügelt, die Haare sind sorgfältig frisiert, keine Schrammen auf den Armen und kein Stäubchen auf der Kleidung. Genau so stellen sich PR-Menschen und ihre Auftraggeber Wanderer vor: Klinisch sauber.
Ich nutze seit Jahrzehnten jeden Urlaub für kürzere und längere Wandertouren, aber solchen Wanderern bin ich auf meinen Wegen noch nie begegnet. Inhaltlich ist das Bild natürlich falsch, aber wieviele Leser des Magazins werden schon darauf achten?
Von einem E-Book-Boom kann in Deutschland noch nicht gesprochen werden
August 5th, 2010 by Heinz W. Pahlke»Den E-Book-Markt gibt es noch nicht«, titelte die ORF-Online-Plattform Futurezone. Während der Verkauf digitaler Bücher in den USA zunehmend an Bedeutung gewinne, bewege er sich »in Österreich und Deutschland noch unter der Wahrnehmungsschwelle«.
Mit konkreten Zahlen halten sich die Anbieter deshalb zurück. Meistens ist die Rede von deutlichen Zuwächsen oder sehr erfreulichen Ergebnissen.
Sehr gesprächig sind auch die Macher der E-Book-Plattform XinXii nicht, die von den Online-Nutzern der Financial Times Deutschland gerade zu Gründern des Monats gewählt wurden. Immerhin verrät XinXii-Chefin Andrea Schober, dass 2009 ein sechsstelliger Umsatz gemacht wurde. Angesichts der sich überwiegend im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich bewegenden Preise verbergen sich dahinter einige Tausend E-Books. Bei derzeit 8000 Texten von rund 3000 Autoren gibt das allerdings noch keinen Anlass, von einem Boom zu reden.
Endlich einmal etwas Neues: ein Sachbuch im Stil von Edgar Allan Poe
August 4th, 2010 by Heinz W. PahlkeJetzt muss mich nur noch ein renommierter Verlag entdecken und ich werde berühmt. »I write like Edgar Allan Poe«, haben mir die Programmierer von I write like gerade versichert. Da sollte kein Verlag widerstehen können.
Der einzige Haken an der Sache ist, dass ich den zu analysierenden Text aus meinem Buch »Buchsatz für Autoren. Vom Manuskript zum Buch mit Publishing on Demand« entnommen habe, also einem Sachbuch. Andererseits: Vielleicht erwächst daraus ein besonderer Anreiz – ein Sachbuch im Stil von Edgar Allan Poe wäre schließlich endlich einmal etwas völlig anderes.
»Wissen ist Macht« und wird deshalb am besten weggeschlossen
August 3rd, 2010 by Heinz W. PahlkeUm jährlich rund 1 Million Euro Personalmittel zu sparen, will die Stadt Köln ihre Kunst- und Museumsbibliothek schließen. Das Bildarchiv soll dem Stadtarchiv zugeschlagen und der Buchbestand von rund 400.000 Bänden weggeschlossen werden. Eine der bedeutendsten Bibliothekssammlungen würde damit aufhören zu existieren. »Wissen ist Macht«, wusste bereits der englische Philosoph Francis Bacon, als er in einem seiner 1597 veröffentlichten Essays schrieb: »For also knowledge itself is power«. Zu jenen, die diese Feststellung später aufgriffen, gehörte auch Wilhelm Liebknecht, einer der Gründer der SPD. Die heute in Köln regierende SPD scheint diese Erkenntnis seit langem vergessen zu haben.
Die erstaunliche Metamorphose eines Bastelsatzes
Juli 28th, 2010 by Heinz W. PahlkeWas es nicht alles gibt! In einer Zeitungsanzeige bietet ein Händler Bausätze an, aus denen »Groß und Klein« Tiere basteln können. Nun wäre das noch nichts Besonderes, aber: »Zusammengebaut sind die Tiere aus Holz«. Solche Metamorphosen sind allerdings tatsächlich so selten, dass er wohl zu Recht einen »tollen Bastelspaß« verspricht, denn wer möchte diese Metamorphose nicht erleben?
